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Verzicht

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Kaum war mit dem iphone das multitouch erfunden, brachte Apple die gleiche Funktionalität auf dem iPod nano und dem iPad heraus, wodurch Millionen von Nutzern nicht eine einzige Zeile Bedienungsanleitung lesen mussten, um die brandneuen Geräte zu bedienen.

Wenn Apple es mit der Strategie "back to the Mac's" schafft (woran ich nicht zweifle), OS X Lion so schlank zu machen, das es in einer einzigen Version auf allen Geräten läuft, wird das ein gigantischer Skaleneffekt für die Entwicklung und Wartung aller aktuellen und künftigen Apple-Produkte. Aktuell gibt es kaum ein bekannteres Beispiel für die Wucht des Verzichts als Apple.

Es geht aber auch klassischer: Bei der Dimensionierung der Schrauben für das Gehäuse eines Getriebes erhält man unterschiedliche Federkräfte, die aufgenommen werden müssen, um den Deckel zu halten. Kein Ingenieur käme aber auf die Idee, unterschiedliche Schrauben zu verbauen, weil das bei der Montage des Deckels ständige Werkzeugwechsel erforderlich machen würde. Stattdessen nimmt er Normschrauben, was eine weitere Vereinfachung ist, die sich bei entsprechender Menge auf den Einkauf auswirkt.

Wenn möglich errechnet und dimensioniert er darüber hinaus eine Variantenkonstruktion, die sich aus einem Minimum gleichartiger Bauteile oder Baugruppen unterschiedlicher Dimension und Ausprägung zu einer hohen Anzahl Permutationen individueller Getriebe zusammenstellen lassen. Entfeinerung nennt man dieses Prinzip, das im Grunde eine deutsche Erfindung ist.

Verzicht ist aber keineswegs auf die Herstellung von Gütern beschränkt. Ein klassisches Beispiel, das jeder Besitzer einer EC-Karte kennt, ist der Geldautomat. Mit diesem Gerät haben Banken den gesamten Prozess der Bargeldauszahlung von der personal- und damit kostenintensiven Arbeit am Kassenschalter auf den Kunden verlagert (und erheben schlau Karten- und teilweise Transaktionsgebühren dafür, dass ihnen ihre Kunde die Arbeit abnehmen). Ähnliches gilt für Telefon- und online-banking, KAD und online-Kontoauszüge.

Auch bei Verträgen lässt sich das Prinzip der Entfeinerung hervorragend anwenden. Dazu werden z.B. die Bestandteile aller Kreditverträge auf ähnliche Muster gescannt, konsolidiert und anschließend in einer Art Vertragsgenerator kommisioniert, so dass hinter Baufinanzierung und Frühjahrskredit letztlich ein und dieselbe Abwicklungsmaschinerie steckt. Mehr noch können die festen Bestandteile aller Dokumente (z.B. Logos, Kopf- und Fußzeilen) in einer einzigen Klasse zusammengefasst werden, die sich an alle weiteren Dokumente, ob nun Kreditverträge oder Kontoauszüge vererben lassen. So ist es im Grunde kein Wunder, wenn Bill Gates einmal formuliert hat: "... banking is necessary, banks are not ..."

Hersteller von technischen Gütern unterschätzen nicht selten die Prozesse hinter der Hardware. Wirft ein Gerät z.B. Daten aus, kommt es sehr oft darauf an, dass diese in einem endfertigen Format angeliefert werden, das ohne Konvertierung, Formatierung und Identifikationstexte auskommt und sofort präsentierbar ist. Gesparte Zeit und Aufwand beim "postprocessing" vermitteln nicht nur sondern sind Kundenorientierung und ein Mittel zur Immunisierung der Kunden gegenüber weniger bedienerfreundlichen Lösungen selbst dann, wenn diese technisch überlegen sind.

Auf der Suche nach dem innovativem Verzicht ist für mich der folgende Satz die beste Bedienungsanleitung:

Perfektion

Einige (aber viel zu wenige) Beispiele für den innovativen Verzicht:

Google

(unveränderte Startmaske
seit 1998)

amazon

("mit nur einem Klick" online bestellen
seit 1994)

3M

(gelbe Klebezettel
mit unveränderten Eigenschaften
seit 1974)
Aldi

(nur ca. 700 Artikel
seit 1961)


IKEA

(Selbstbaumöbel
seit 1952)


Coca Cola

(unveränderte Rezeptur
seit 1886)


SAP

(betriebliche Standardsoftware
seit 1972)

Dedon

(unverwüstliche Gartenmöbel
seit 1991)

Hewlett Packard

(UPN statt Klammerebenen
seit 1939)

Apple

("..."Weglassen" ist, wofür Kunden uns bezahlen ..."
seit 1976)
Braun

(Purismus
im Bauhausstil
seit 1921)

Swatch

(Individualität durch
Variantenkonstruktion
seit 1983)

Rolex

(seit 1905,
"Oyster Perpetuel"
seit 1931)

Montblanc

(seit 1910, "Meisterstücke"
seit 1924)

Poggenpohl

(seit 1892,
Kochen pur
seit 1950)


Zur Ermittlung möglichen Verzichts verwenden wir neben anderen Werkzeugen eine Prozesswertschöpfungsbeitragsanalyse mit systemischen Anteilen.

Motto: "Wird dieser Ablaufschritt (dieser Ablauf, dieses Produkt oder diese Dienstleistung) überhaupt gebraucht, bzw. was passiert konkret, wenn wir darauf komplett oder teilweise verzichten?"

ProzessWSA

In aller Bescheidenheit möchte ich anmerken, dass ich bei diesen Webseiten das Prinzip des Entfeinerns ziemlich konsequent angewendet habe, wodurch mein Änderungs- und Wartungsaufwand sehr klein bleibt.