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Ton Im Folgenden erzähle ich Ihnen eine amüsante kleine Geschichte, die vielleicht ein wenig zum Nachdenken über die Risiken und Gefahren des Managements anregen kann.

 

Da die alte Kathedrale baufällig schien, immer weniger Pilger ins Land lockte und sich das bei den Einnahmen zeigte, wollte ein König vor vielen Jahren einen neuen Dom errichten lassen.

In einem anderen Königreich fand er einen Edelmann, der jung, schlau und ein brillanter Redner war und die Idee hatte, für das Vorhaben des Königs die besten Steinmetze eines armen Landes einzusetzen und auf diese Weise viele Kosten zu sparen, was den König überzeugte.

Da der Edelmann außerdem ein Kenner höfischen Benehmens war und viele Sprachen beherrschte, lud ihn der König in sein Königreich ein, machte ihn zum Herzog und legte die Errichtung des Doms in seine Hände.

Sogleich ließ der frisch gebackene Herzog einen erfahrenen Baumeister suchen, aber der, den er haben wollte, lehnte sein Angebot ab und je mehr sich die Suche hinzog, desto unruhiger wurde er, denn er begriff langsam, was er sich vorgenommen hatte.

Da besuchte der Teufel den Herzog im Schlaf und ließ ihn sich fragen, ob es nicht einen schlechten Eindruck auf den König mache, wenn das Vorhaben schon bei der Suche nach einem Baumeister ins Stocken geriet.

Als Antwort auf die teuflische Frage ernannte der Herzog am nächsten Morgen einen skrupellosen Taugenichts zum Baumeister, den er zwar schon von früher kannte, aber nie bemerkt hatte, dass er zu dumm war und zu wenig konnte, um nicht skrupellos und kein Taugenichts zu sein.

Die Dinge nahmen ihren Lauf und schon im nächsten Sommer zeigten sich die ersten Wirkungen der Unfähigkeit des Baumeisters. Da sich der Herzog aber nur allzu gern schmeicheln ließ und ihm sein Baumeister schwor, die Verursacher zu entlarven, ließ er sich blenden.

Trotzdem war er verzweifelt und wollte den König schon am nächsten Morgen um Hilfe bitten.

Da besuchte der Teufel den Herzog im Schlaf und ließ ihn sich fragen, ob es nicht einen schlechten Eindruck auf den König und die anderen Fürsten mache, wenn er wegen ein paar kleiner Mängel gleich zu Beginn eines solch großen Vorhabens seine Souveränität verlöre, zumal sein Baumeister die Ursachen vielleicht schon bald entdecken und abstellen würde.

Als Antwort auf die teuflische Frage bat der Herzog seinen Baumeister am nächsten Morgen die Mängel solange für sich zu behalten, bis er deren Ursachen gefunden habe. Das kam diesem natürlich sehr gelegen und so vertuschte er mit herzoglicher Erlaubnis alle Fehler, die er gemacht hatte, wodurch die Zustände nur noch schlimmer wurden.

Um ihrer Herr zu werden, bestellte der Baumeister einfach mehr Steinmetze aus dem armen Land. Diese verstopften aber nur sinnlos die Baustelle, denn eines der eigentlichen Hauptprobleme bestand darin, dass der Baumeister im Winter zu wenig Stützholz hatte schlagen lassen.

Da frisch geschlagenes Holz zu nass und daher zu biegsam ist, um beim Trocknen des Mörtels die Mauern im Winkel zu halten, musste man warten, bis der Mörtel fest genug war, bevor man das vorhandene trockene Holz an anderer Stelle verwenden konnte.

Damit seine Nachlässigkeit nicht aufflog, ließ der Baumeister aber frisch geschlagenes Holz verwenden, so dass sich die Winkel verzogen, die Anschlüsse der Mauern nicht mehr passten und viel teure Flickschusterei nötig war, welche das Gebäude jeder Eleganz, Majestät der Einfachheit und die Augen der Betrachter ihrer Geschwindigkeit beim Verfolgen der Linien beraubte.

Ausserdem hatte er in den Steinbrüchen zu viele mittlere und große, aber so gut wie keine kleinen Steine bestellt, so dass das Behauen oder Teilen mehr Zeit kostete und das wertvolle Werkzeug schneller verschliss.

Das größte Problem aber war, dass man auf eine genaue Planung verzichtet hatte, um schnell vorwärts zu kommen, da die alte Kathedrale sehr baufällig schien und da so ein Gesamtplan fehlte, niemand die vielen, viel zu komplizierten und fehlerhaften Einzelpläne verstand, tat schließlich jeder, was ihm gerade einfiel.

So berief der Baumeister endlos viele Besprechungen ein, ohne festzulegen, welche Ziele diese haben sollten, so dass die Zeit nur vergeudet war und die Besten nicht ins Arbeiten kamen.

Dass wegen der fremden Steinmetze nicht nur an der Baustelle, sondern im ganzen Land zwei Sprachen gesprochen werden mussten, machte das Ganze nicht gerade leichter.

Besonders die guten und erfahrenen Steinmetze, die das Ausmaß der chaotischen Verhältnisse am besten beurteilen konnten, begannen zu murren und beschwerten sich direkt beim Herzog.

Da so die Unfähigkeit des Baumeisters aufzufliegen drohte, bezichtigte er die Murrenden, die eigentlichen Verursacher der Mängel zu sein und da er kürzere Wege zum Herzog hatte, ließ sich dieser beschwatzen und vertraute ihm weiter.

Trotzdem war er verzweifelt und wollte den König schon am nächsten Morgen um Hilfe bitten.

Da besuchte der Teufel den Herzog im Schlaf und ließ ihn sich fragen, ob ihn ein vorschnelles Eingeständnis von Schwierigkeiten nicht unnötig Titel und Lehen kosten, ihm den Spott der anderen Fürsten einbringen könne und ob er nicht seine Autorität verlöre, wenn er Meuterern gegenüber nicht genügend Härte zeige.

Als Antwort auf die teuflische Frage ließ der Herzog alle guten und erfahrenen Steinmetze von seinem grinsenden Baumeister mit Verbannung bedrohen, wenn sie weiter murren würden, so dass die meisten eingeschüchtert, kopfschüttelnd und stumm nur noch Dienst nach Vorschrift machten, zumal er jedem Aufpasser an die Seite stellen ließ, die die Arbeiten zusätzlich behinderten. Alle, die weiter murrten, ließ er verbannen.

So vergingen Jahre um Jahre, in denen der Bau riesige Mengen an Gold und Silber verschlang und Einsegnungsfest um Einsegnungsfest verschoben wurde, weil es nicht vorwärts ging.

In einem Frühjahr brach schließlich die Krypta wegen der Unfähigkeit eines Freundes des Herzogs, den dieser als Unterbaumeister eingesetzt hatte, völlig in sich zusammen.

Der Erfahrenste unter den Steinmetzen, der in Diensten des Hofjunkers stand, bot an, die Krypta wieder aufzubauen, wenn man ihm Arbeiter gäbe und ihn unter Aufsicht des Kronrats in Ruhe arbeiten ließe. Der Kronrat nahm das Angebot gerne an, da der Steinmetz sein Können gerade bei einem anderen Vorhaben bewiesen hatte.

Zwar versuchte der Baumeister immer wieder den Steinmetz unter sein Joch zu zwingen, da sich dieser aber von dem lächerlichen Gehabe des Baumeisters nicht beeindrucken ließ, all seinen dummen Schritte voraussah und alles schon fertig hatte, bevor dieser es anwies, fand der Baumeister - so sehr er auch suchte - keine Beschwerdegründe oder Beweise einer Verfehlung gegen ihn. Und da der Steinmetz seine Arbeiter mit Wertschätzung behandelte und jeden, der nicht arbeitete von der Baustelle warf, schuf er sich und seinen Leuten den Raum für die Arbeiten an der Krypta.

Da auch der durch den Zusammenbruch der Krypta gedemütigte Freund des Herzogs die Arbeit des Steinmetzen behinderte, indem er sich immer wieder einzumischen versuchte und der Steinmetz nicht an zu vielen Fronten kämpfen wollte, bat er den Hofjunker um eine Besprechung mit dem Herzog.

Acht Mängel hatte er besprechen wollen. Doch noch bevor er den dritten Mangel erklärt hatte, wusste er, dass es vergebens war, weil der Herzog bereits so angeschlagen war, dass er Kritik nicht mehr Chance begriff, sondern persönlich nahm.

Da besuchte der Teufel den Steinmetzen im Schlaf und ließ ihn sich fragen, ob er nicht verpflichtet sei, den König über das Unrecht und die Verschwendung der Schätze des Königreichs zu informieren und ob es nicht untreu sei, wenn er dabei seinen eigenen Dienstherrn überginge.

Als Antwort auf die teuflische Frage erklärte der Steinmetz die Ursachen der Mängel dem Hofjunker und riet ihm, zum König zu gehen oder ihm die Erlaubnis zu erteilen, es selbst zu tun.

Da der Steinmetz das Talent besaß, selbst die kompliziertesten Dinge so zu erklären, dass sie jeder Laie verstand, begriff der Hofjunker, was beim Dombau schief gegangen war und erschrak. Da er aber Risiken scheute wie die Pest, verweigerte er dem Steinmetzen die Erlaubnis zum König zu gehen und verlangte Beweise gegen den Fürsten und seinen Baumeister, die so unumstößlich sein müssten, dass sie für sich selbst sprächen.

Im Spätsommer hatte das Einsegnungfest des Mittelschiffs stattfinden sollen, doch der Herzog und sein Baumeister waren die Einzigen, die bis zum letzten Tag daran glaubten.

Selbst der Hochchor war erst mit Winterbeginn errichtet und wies noch monatelang schwere Mängel auf. Trotzdem wurde seine Fertigstellung mit einem Einsegnungsfest gefeiert, das nur einem Mittelschiff gebührt hätte.

Aus seiner reichen Erfahrung hatte der König mit Ärger und höheren Kosten gerechnet. Und da ihm der Herzog ständig mit neuen Versprechungen, Schuldigen und Ausreden kam, an die er wohl auch selbst glaubte und die Kosten der fremden Steinmetze wirklich sehr niedrig waren, blieb der König gelassen und vertraute weiter auf den Erfolg.

Alle die am Bau beteiligt waren, waren entsetzt.

Da besuchte der Teufel die anderen Fürsten im Schlaf und ließ sie sich fragen, ob sich ein einziger von ihnen gut genug beim Dombau auskenne, um die Unfähigkeit des fürstlichen Baumeisters und seines Herrn beweisen und die Verantwortung für die Fertigstellung des Doms übernehmen zu können und ob es klug sei, sich im Fall des Scheiterns der möglichen Schuldigen zu berauben.

Als Antwort auf die teuflische Frage sprach keiner das längst Offensichtliche aus. Stattdessen lieferten sie sich mit dem Herzog nur Wortgefechte bei Einzelheiten, über die sich die Arbeiter ihrer Lehen bei ihnen beschwert hatten. Und da das Königreich viel zu wohlhabend war, um zum Handeln gezwungen zu sein wiederholte sich das ständig.

Unter dem ganzen Druck reifte im Herzog mehr und mehr die Erkenntnis, dass er zumindest ein einziges echtes Ergebnis bräuchte, um die Angriffe der anderen Fürsten zu entkräften und sie so zu beschämen, dass sie es künftig bleiben ließen.

Indes sein Baumeister aber nichts Brauchbares hatte, litt er so sehr unter den ständigen Demütigungen, dass er zur Demonstration seiner Integrität bereits auf Nichtigkeiten mit übertriebener Empörung zu reagieren begann.

Inzwischen hatte der Steinmetz des Hofjunkers die Arbeiten am Wiederaufbau der Krypta so weit vorangetrieben, dass bald der Deckstein gesetzt werden konnte und da der Baumeister gierig auf Einzelheiten war, schickte er einen Schergen zur Krypta, um die Arbeiter des Steinmetzen heimlich zu den Fortschritten befragen zu lassen.

Nachdem ihm der Scherge berichtet hatte, ließ der Baumeister seine Mätze, die seine Schreiberin war, einen Brief an den König und die Fürsten verfassen, in dem er feierlich den erfolgreichen Abschluss des Wiederaufbaus der Krypta ankündigte, was den Eindruck erweckte, dass er aus dem Hintergrund alles gesteuert habe.

Inzwischen liefen die Arbeiter, besorgt über die seltsamen Fragen und eingeschüchtert vom herzoglichen Wappen des Schergen zum Steinmetzen und fragten ihn, ob sie noch unter seinem Befehl stünden.

Der Steinmetz beruhigte sie. Dann schickte er einen schnellen Boten zum Baumeister, der diesem auszurichten hatte, dass er am nächsten Morgen vor den Kronrat träte, wenn der Baumeister nicht unverzüglich bei der Krypta erscheine.

In Panik eilte der Baumeister zur Krypta, wo ihn der Steinmetz erwartete und ihm erklärte, dass er jeden alles fragen könne, sobald der Deckstein gesetzt sei, falls er davor aber wieder einen Schergen schicke, der seine Arbeiter so verunsichere, dass sie nicht mehr wüssten, wer ihnen zu befehlen hat, würde er den Kronrat entscheiden lassen, wer die Krypta zu bauen habe.

Der Baumeister ritt eilends zum Herzog und berichtete.

In der Nacht besuchte der Teufel den Herzog im Schlaf und ließ ihn sich fragen, ob ihn der Steinmetz mit seinem Talent, die Dinge erklären zu können, so sehr demütigen könne, dass dem König keine andere Wahl bliebe, als ihn abzusetzen, ihm Titel und Lehen abzuerkennen und ihn des Landes zu verbannen.

Als Antwort auf die teuflische Frage erwachte er schweißgebadet und irrte ziellos in seinen Gemächern umher, weil er nicht wusste wie er das Wahrwerden des Albtraums verhindern könnte. Schließlich ließ er den Baumeister holen.

Im Schein des flackernden Kaminfeuers redeten sie lange bei schwerem roten Wein, in den der Teufel gärende Gifte des Neids, der Missgunst, der Furcht, des Hasses und des Hochmuts streute, bis der teuflische Plan geboren war.

Am nächsten Morgen gingen Herzog und Baumeister zum König und bezichtigten den Steinmetzen des Hochverrats.

Da die Gifte des Teufels sie bereits gewarnt hatten, dass sie mit einer solchen Klage einen Aufschrei all derer riskieren würden, die den Steinmetzen kannten, behaupteten sie, dass all diejenigen, die dem König Leumundszeugnisse für den Beklagten ablegen würden, von diesem verhext oder entsandt worden seien.

Und da sie unbedingt verhindern mussten, dass der König direkt mit dem Steinmetzen spräche und Beweise ihrer Unfähigkeit zu sehen oder zu hören bekäme, beklagten sie ihn mit so ungeheuerlichen, aber schlüssig klingenden Halbwahrheiten und Lügen, dass der König über den vermeintlichen Verräter so empört war, dass er ihn, ohne ihm Gelegenheit zur Verteidigung zu gewähren, des Landes verbannte.

Nachdem das Urteil bekannt geworden war, kamen viele zum Steinmetzen und kündigten an, dass sie sich - ganz gleich, was er sagen würde - beim König für ihn einsetzen würden. Die Besten und Mutigsten kündigten es nicht an.

Der Steinmetz wusste, dass der König seine Gewissheit über ihn für die Wahrheit hielt und daher bat er alle, die mit ihm sprachen, sich nicht in Gefahr zu bringen und damit sie es ließen, erklärte er ihnen, dass er ohnehin beschlossen habe, nicht weiter für solche Herren zu arbeiten und das Land zu verlassen.

Fünf taten es trotzdem.

Der König aber erklärte diesen zornig, dass sie verhext worden seien und er genau wisse, was für ein elender Lump der Steinmetz wäre.

Der Hofjunker war nicht unter den Mutigen.

Diesem befahl der König, dem Steinmetzen den Bann mitzuteilen, sobald der Deckstein der Krypta gesetzt sei. Den Zorn des Königs fürchtend, ließ der Hofjunker den Steinmetzen zu sich bringen und versuchte sich für sein Schweigen zu entschuldigen, indem er ihm seine persönliche Freundschaft anbot.

Noch bevor der Hofjunker das Bannurteil aussprechen konnte, erklärte der Steinmetz, dass er entschieden habe, nach Erledigung seiner Pflichten das Land zu verlassen. Der Hofjunker bat ihn, zur Sicherheit noch einen Monat länger zu bleiben.

Der Deckstein der Krypta hielt und kaum dass der Steinmetz das Land verlassen hatte, rühmten sich Herzog und Baumeister für ihre prächtige Leistung und der Hofjunker für die unerbittliche Klarheit, mit der er den Steinmetzen verbannt hatte.

So verschwanden in den darauf folgenden Jahren Unsummen im Nichts, während der Herzog den Leuten der anderen Fürsten und die anderen Fürsten den Leuten des Herzogs die Schuld für die Mängel gaben, wurden die Planungen Stück für Stück zurück genommen. Doch selbst das half nicht genug und schließlich blieb dem Baumeister nicht anderes übrig, als zu gestehen, dass die restlichen Arbeiten fast noch einmal so viel kosten würden wie schon ausgegeben war.

Da besuchte der Teufel den König im Schlaf und ließ ihn sich fragen, ob es nötig sei, den Ruhm für seine makellose Regentschaft für das Eingeständnis eines einzigen Fehlers zu opfern und ob er als König nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht habe, die Angelegenheit unter Zuhilfenahme des Staatsschatzes zu Ende zu bringen. Zudem ließ er sich den König fragen, ob eine Bestrafung des Herzogs und seines Baumeisters nicht einem Eingeständnis seiner Gutgläubigkeit und seines allzu langen Zögerns gleichkäme.

Als Antwort auf die teuflische Frage öffnete der König für die restlichen Arbeiten erneut die Schatztruhen des Königreichs, sprach dem Herzog - zum stummen Entsetzen der Wissenden - sein Vertrauen aus und half ihm, die bescheidenen Ergebnisse in edle Seide zu verpacken und als Triumph zu verkaufen.

So rieb sich der Teufel die Klauen als die unaufhaltsame Kraft der göttlichen Mühlen langsam das ganze Land ergriff.

Wo der Herzog dem König einst goldene Weizenfelder und einen prächtigen Dom versprochen hatte, stand eine unförmige Kapelle mit einer stabilen Krypta in einem traurigen Rübenacker. Die Schatztruhen des Königreichs waren längst nicht mehr so prall gefüllt und würden sich für Abstützungen und Ausbesserungen noch auf Jahre weiter leeren. Die Besten im Volk fehlten oder hatten zu schweigen gelernt und wo Wohltaten fürs Volk versprochen worden waren, mühte es sich mehr als zuvor. Der König war inzwischen aber schon alt und krank.

Da besuchte der Teufel den Herzog und seinen Baumeister ein letztes Mal im Schlaf und ließ sie sich fragen, ob am Ende nicht eigentlich alles ein Erfolg gewesen und sie nach all diesen Erfahrungen nicht die besten Dombauer aller Königreiche seien und sich je trennen dürften, nachdem sie so viel übereinander wüssten.

Und so kam es, dass der Herzog und sein Baumeister - nachdem der König seinem Ziehsohn die Regentschaft übergeben hatte - als Antwort auf die teuflische Frage, die gleichen Fehler noch einmal machten.

In einem kleinen benachbarten Königreich bildete das Setzen des Decksteins der Krypta den feierlichen Abschluss der Erbauung eines Doms, den der verbannte Steinmetz errichtet hatte und der durch Können, Klugheit und die richtigen Antworten auf die Fragen des Teufels in der vorgesehenen Zeit nur das gekostet hatte, was geplant worden war.

Immer mehr Pilger kamen aus der ganzen Welt.

 

Ich hoffe, dass Ihnen die Geschichte gefallen hat und vielleicht hilft sie Ihnen leichter zu erkennen, wenn Ihnen der Teufel mal eine Frage stellt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer die richtige Antwort finden.

Die Geschichte ist übrigens keineswegs so alt wie sie vielleicht scheint und hat sich - von einigen in dubio pro reo formulierten Schlußfolgerungen und dem Ende abgesehen - tatsächlich so zugetragen.